
Am 19. und 20. Juni 2026 fand an der Radboud-Universität Nijmegen die III. Internationale Bildungskooperationstagung zum Thema „Kulturbezogenes Lernen im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache: Positionen und Perspektiven“ statt. Die Tagung wurde im Rahmen der vom DAAD geförderten Germanistischen Institutspartnerschaft organisiert und brachte (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen und Lehrkräfte aus verschiedenen Ländern zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven des kulturbezogenen Lernens im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache zu diskutieren.
Den Auftakt bildete ein Eröffnungsvortrag von Camilla Badstübner-Kizik, die kulturbezogenes Lernen aus einer praxisorientierten Perspektive betrachtet und die Frage nach dessen konkreter Umsetzbarkeit in Bildungsprozessen in den Mittelpunkt stellte. Im Anschluss boten zahlreiche Vorträge in zwei Sektionen Gelegenheit, unterschiedliche Facetten kulturreflexiven Lernens kennenzulernen und miteinander zu diskutieren.
Ein Schwerpunkt lag auf internationalen Bildungskooperationen und Austauschprojekten. Vorgestellt wurden unter anderem deutsch-ukrainische Sommerschulen, virtuelle Bildungskooperationen sowie internationale Begegnungsprojekte, die als Räume kulturbezogenem Lernens und die Entwicklung kulturreflexiver Kompetenzen dienen.
Darüber hinaus wurden schulische Kontexte und die Rolle von Schulkultur für kulturbezogene Lernprozesse thematisiert. Die Beiträge machten deutlich, dass kulturelles Lernen weit über die Vermittlung von Faktenwissen hinausgeht und eng mit Refexions- und Partizipationsprozessen verbunden ist.



Der zweite Hauptvortrag von Hannes Schweiger widmete sich dem kulturreflexiven Lernen als Form kritischen Lernens und hob dessen Bedeutung für gesellschaftliche Teilhabe und Selbstermächtigung hervor. Diese Perspektive wurde in den anschließenden Sektionen weitergeführt, in denen Fragen der Lernendenautonomie, der Zugänglichkeit von Bildungsangeboten sowie grenzüberschreitende Sprach- und Kulturprojekte diskutiert wurden. Insbesondere die vorgestellten Interreg-Projekte zeigten, wie regionale Kooperationen zur Förderung sprachlicher und kultureller Verständigung beitragen können.
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt lag auf außerschulischen Lernorten. Beiträge zu Museen als Orten kulturbezogenen Lernens verdeutlichen das Potenzial solcher Räume für die Förderung von Reflexion, Perspektivwechsel und gesellschaftlicher Teilhabe. Gleichzeitig wurden innovative Zugänge aus der Translationsdidaktik und der empirischen Bildungsforschung vorgestellt.



Der zweite Tag der Konferenz stand verstärkt im Zeichen von Literatur, Erinnerungskultur und Unterrichtspraxis. In ihrem Plenarvortrag zur Literaturvermittlung zeigte Beate Baumann auf, welche Rolle literarische Texte für kulturreflexive Lernprozesse spielen können. Die anschließenden Sektionen beschäftigten sich unter anderem mit Erinnerungspraktiken in Migrationsgesellschaften, der Darstellung kultureller Inhalte in Lehrwerken sowie den Möglichkeiten, Lehrmaterialien durch digitale und KI-gestützte Ansätze weiterzuentwickeln.
Zum Abschluss rückten Fragen von Diskurs, Identität und Lehrkräftebildung in den Fokus. Die Beiträge befassten sich mit kulturellen Narrativen, Diversität im DaF-Unterricht, der Ausbildung angehender Lehrkräfte sowie mit konkreten Unterrichtsszenarien, die kulturreflexives Lernen fördern können. Dabei wurde deutlich, dass kulturbezogenes Lernen ein zentrales Element einer zeitgemäßen Sprachdidaktik darste
llt und einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung auf gesellschaftliche Vielfalt und internationale Verständigung leistet.
Neben dem wissenschaftlichen Programm bot die Tagung vielfältige Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung. Gemeinsame Abendveranstaltungen, darunter ein Grillabend auf dem Campus sowie ein Lesung von Stephan Wolting aus Poznań (Polen), schufen einen informellen rahmen für Gespräche und die Vertiefung bestehender Kooperationen. Die Tagung zeigte eindrucksvoll, wie fruchtbar der internationale Dialog für Forschung, Lehre und Weiterentwicklung des Fachs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sein kann.



Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Vortragenden, Moderierenden, Organisator:innen und allen Gästen, die mit ihrem Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben, für den anregenden wissenschaftlichen Austausch bedanken und vor allem geht unser Dank an die dieses Jahr austragende Radboud-Universität.